In der schnöden Arbeitswelt kommt man zuweilen nicht um das WEB 2.0 herum. Was “drecks-” WKW.de und “wofür?”-myspace.com für den privaten Bereich sind, ist Xing.de für die Businesshonks. Hat man auf besagter Plattform ein Profil, so passiert es gelegentlich, dass man eine Nachricht einer “Recruitmentfirma” bekommt. Darin wird einem ein tollerer, besser bezahlter und irgendwie coolerer Arbeitsplatz schmackhaft gemacht. Würde man alle diese Zuschriften ernst nehmen, könnte man alle 2 Monate den Job wechseln.
Was tut man also ? Man antwortet nicht auf diese Spam ähnlichen Zuschriften und ignoriert sie hartnäckig. Vorgestern bekam ich eine Nachricht, deren Einleitungssatz mich allerdings derart beeindruckte, dass ich einfach antworten musste. Die Nachricht war wie folgt:
“Ich bin momentan auf der Suche nach einem Experten – so wie Sie es sind.
Ich habe eine interessante Position bei einem der weltweitführendsten Softwareunternehmen zu besetzen.
Wenn Sie mehr wissen möchten, Interesse haben, so freue ich mich auf eine Rückmeldung. ”
Nach einigem hin und her, antwortete ich der netten Dame dann folgendes:
“Ich gehe mal davon aus, dass es sich bei der Einleitung um einen Standardsatz handelt, den Sie bei jedem Anschreiben verwenden. Außerdem bin ich mal so frei und unterstelle ihnen einfach, dass Sie das notwendige Feingefühl besitzen, in ihrem normalen Umfeld auf solch “reißerische” Einleitungssätze zu verzichten. Denn woher sollten sie wissen dass ich ein Experte bin ? Ich könnte ja auch ein gemeiner, fieser Hochstapler sein, der alles mögliche in sein Profil schreibt, nur um die Aufmerksamkeit von Recruitmentfirmen wie der Ihren auf sich zu ziehen und Ihnen Ihre kostbare Zeit zu stehlen
Sie würden dann fest davon ausgehen einen Experten vor sich zu haben und vielleicht würde ich Sie sogar überzeugen können, mich Ihrem Auftraggeber vorzuschlagen. Irgendwann stellt sich dann aber heraus, dass ich überhaupt keinen blassen Dunst von dem habe, was ich hier tue und Ihr Auftraggeber ruft bei Ihrem Chef an und beschwert sich darüber, welch minderbemittelten Dilettanten er da ausgesucht hat. Dann kommt Ihr Chef zu Ihnen und – Holla die Waldfee – der Tag ist ein ganz, ganz übler geworden nur weil ein Experte keiner war.
Nicht das es so wäre, aber es könnte ja so sein
Die interessante Position bei einem der weltweit führendsten ?? schreibt man nicht führenden ??? gibts überhaupt einen superlativ von führend ? Na egal, auf was ich eigentlich hinaus will ist, dass ich aktuell eigentlich nicht an einem beruflichen Wechsel interessiert bin, es sei denn Sie bieten mir ein sechsstelliges Jahresgehalt bei dem die zweite Ziffer größer als eine 2 ist
”
Auch auf die Gefahr hin, der Armen den Tag zu versauen schickte ich die Nachricht ab und wartete gespannt auf die Antwort, welche dann auch nach 2 Stunden eintraf:
“an dieser Stelle möchte ich mich für die ausführliche und offene Antwort bedanken.
Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg, ein frohes Weihnachtsfest
und ein mit besten Wünschen gutes Jahr 2009.”
Respekt vor dieser Profesionalität !! Und wieder jemanden mit teuflischer Arroganz Weihnachten versaut. Auch wenns gar nicht böse gemeint war aber bestimmt so angekommen ist.
*einexpertesowieichesbinmussauchmanchmaleinarschsein